Einladung zur Gemeindeversammlung

16.01.2018

Wie soll unsere Kirchengemeinde zukünftig aussehen? Wie kann sie wachsen, mehr auch jüngere Menschen anspre­chen? Was machen wir richtig gut, woran mangelt es und wo ist Raum für Veränderungen? Solche und ähnliche Fragen möchte der Kirchengemeinderat (KGR) mit Ihnen am letz­ten Februar­sonntag diskutieren.

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Fotowettbewerb: Wasser heute - Maji siku hizi

16.01.2018

Das Projekt der Marafiki, den Freundinnen und Freunden in Tansania eine zweite Quelle und damit „maji safi“ – sauberes Wasser – bereitzustellen, hat uns dazu angeregt, über unsere eigenen Erfahrungen mit diesem Element nachzudenken. Wir haben das Senioren­Adventscafé 2017 unter das Motto „Wasser des Lebens – Maji Ya Uzima“ gestellt. Der lebhafte Austausch, auch zwischen Jugendlichen und Älteren, hat gezeigt, wie unterschiedlich unsere Erfahrungen mit Wasser sind und wie sich eigene Perspektiven erweitern, wenn wir einander solche Erfahrungen mitteilen. Das wollen wir fördern.

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Laienpredigtreihe verlegt

16.01.2018

Während der vorösterlichen Fastenzeit haben in den vergangenen Jahren Laien von der Kanzel gepredigt. Bei der Planung für 2018 hat der KGR­Ausschuss „Geistliches Leben“ diese Praxis überdacht. Auch künftig sollen die Predigerinnen und Prediger im Ehrenamt im Sinne des lutherischen „Priestertums aller Gläubigen“ eine wichtige Rolle bei der Verkündigung übernehmen – aber zu einem anderen Zeitpunkt im Kirchenjahr.

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Zeig Dich! Sieben Wochen ohne...

16.01.2018

Seit über 30 Jahren lädt „7 Wochen Ohne“ – die Fastenaktion der evangelischen Kirche – dazu ein, die Zeit zwischen Aschermitt­woch und Ostern bewusst zu erleben und zu gestalten. Menschen verzichten nicht nur auf Schokolade oder Alkohol, sondern sie fasten auch im Kopf – hinterfragen die Routine des Alltags, nehmen neue Perspektiven ein, entdecken, worauf es ankommt im Leben.

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Jesaja 50, 4-9 | Bonhoeffer-Gedenken

09.04.2006 | 00:00

K.-G. Poehls

Der Lagerarzt des Konzentrationslagers Flossenbürg erinnert sich so an den frühen Morgen des 9. April 1945: "…Durch die halbgeöffnete Tür eines Zimmers im Barackenbau sah ich vor der Ablegung der Häftlingskleidung Pastor Bonhoeffer im innigen Gebet mit seinem Herrgott knieen. Die hingebungsvolle und erhörungsgewisse Art des Gebetes dieses außerordentlich sympathischen Mannes hat mich auf das Tiefste erschüttert. Auch an der Richtstätte selbst verrichtete er noch ein kurzes Gebet und bestieg dann mutig und gefasst die Treppe zum Galgen. Der Tod erfolgte nach wenigen Sekunden. Ich habe in meiner fast 50jährigen ärztlichen Tätigkeit kaum je einen Mann so gottergeben sterben sehen." (Zitat in E. Bethge, Dietrich Bonhoeffer. Eine Biographie, 1038)

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Jesaja ruft: "Gott der HERR hat mir das Ohr geöffnet. Und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück. Ich bot meinen Rücken dar denen, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mich rauften. Mein Angesicht verbarg ich nicht vor Schmach und Speichel. Aber Gott der HERR hilft mir, darum werde ich nicht zuschanden."

1

Bonhoeffer selbst gab seiner Hoffnung einen Tag vor seinem Tod, am ersten Sonntag nach Ostern 1945, Ausdruck, als er einem Mitgefangenen eine Nachricht für den Bischof von Chichester anvertraute: "Dies ist das Ende für mich, aber zugleich der Anfang" (ders., 1037, Anm. 54).

Vorher noch hatte er seinen Mitgefangenen die Texte zum Sonntag vorgelesen und eine Andacht gehalten – auf deren Bitten hin, nicht weil er sich berufen fühlte.

2

Jesaja ruft: "Gott der HERR hat mir eine Zunge gegeben, wie sie Jünger haben, dass ich wisse, mit den Müden zu rechter Zeit zu reden. Alle Morgen weckt er mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören. Gott der HERR hat mir das Ohr geöffnet. Und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück."

Liebe Gemeinde,

man darf Bonhoeffer sicher nicht einfach idealisieren, zum Helden machen. Man darf ihn nicht vereinnahmen und ihn mit seinen Zitaten für die eigene Sache einspannen – und ich hoffe, dass dieser Eindruck heute nicht entsteht. Aber man darf trauern um ihn, auch 61 Jahre nach seinem Tod, und von ihm lernen, glauben lernen.

Ich habe keinerlei Hinweise darauf finden können, dass Bonhoeffer sich mit dem heutigen Predigttext beschäftigt hat. Wenn ich Jesaja heute hineinrufen lasse in das Leben und Sterben Bonhoeffers, so nicht, um Bonhoeffer biblisch zu überhöhen – das hat er nicht nötig, und steht mir nicht zu.

Ich tue es, weil Bonhoeffer unsere Welt, unsere Wirklichkeit getragen und durchdrungen sah von Gottes Wirklichkeit. Er war ein Lernender im Glauben, er ließ sich verwandeln, verändern durch das, was er im Glauben wie ein Jünger hörte, was er erkannte von Gott, was er als Wort Gottes hörte in seiner Bibel. Und er konnte das nicht trennen von dem, was er erlebte und erlitt; er musste es in seine Umgebung hinein, in die Gesellschaft hinein zu tragen versuchen. Theologie zu treiben war keine Sache für den Elfenbeinturm, sie hatte eine Aufgabe, die Aufgabe, Gottes Wirklichkeit deutlich und sichtbar zu machen, und so die Gesellschaft im Sinne Gottes zu verändern und zu verwandeln.

Gott hat sich eingelassen auf diese Welt, und nun darf ein Mensch ihn nicht einfach auslassen in seinem Alltag, in seinem Denken und Fühlen und Handeln. Bonhoeffer hatte lernend begriffen, dass Glaube auch Handeln ist. Nichts Zusätzliches, nichts Nachrangiges, nicht der zweite Schritt, sondern Handeln ist der Schritt des Glaubens. So wie Liebe sich mitteilen will, sonst wäre sie keine Liebe, so will Glaube gehen, handeln, tätig werden, sonst wäre es kein Glaube.

Der handelnde Glaube richtet sich aus an dem Menschen aus Nazareth. "Ecce homo - Seht, welch ein Mensch!"

Bonhoeffer schreibt:

Ecce homo – sehet welch ein Mensch! In ihm geschah die Versöhnung der Welt mit Gott. Nicht durch Zertrümmerung, sondern durch Versöhnung wird die Welt überwunden. Nicht Ideale, Programme, nicht Gewissen, Pflicht, Verantwortung, Tugend, sondern ganz allein die vollkommene Liebe Gottes vermag der Wirklichkeit zu begegnen und sie zu überwinden. Wiederum ist es nicht eine allgemeine Liebesidee, sondern die wirklich gelebte Liebe Gottes in Jesus Christus, die das vollbringt. Diese Liebe Gottes zur Welt zieht sich nicht aus der Wirklichkeit zurück in weltentrückte Seelen, sondern sie erfährt und erleidet die Wirklichkeit der Welt aufs härteste. Am Leibe Jesu Christi tobt sich die Welt aus. Der Gemarterte aber vergibt der Welt ihre Sünde. So geschieht die Versöhnung. Ecce homo"(D. Bonhoeffer, Ethik, 74 f.).

Dieser Mensch reitet auf einem Eselsfüllen in Jerusalem ein – unter dem Palmengewedel der Menge, das dem heutigen Sonntag Palmarum seinen Namen gibt. Er hat vernommen, er hat gehört. Nicht, was die Menge schreit, die heute "Hosianna" ruft und winkt, und morgen ruft "Kreuzige ihn" und die Fäuste schüttelt.

Er hat gehört wie Jesaja: "Gott der HERR hat mir das Ohr geöffnet. Alle Morgen weckt er mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören."

Wie aber hört man wie eine Jüngerin oder ein Jünger? Welche Technik verhilft einer von akustischen Problemen geplagten Gemeinde wie der unseren mit unseren Mikrophonen und Lautsprechern zum richtigen Hören?

Eine Technik wird nicht genannt, weder bei Jesaja, noch bei Jesus oder Bonhoeffer. Folge ich noch einmal Bonhoeffer, dann lässt sich Gottes Wirklichkeit nicht anders finden, dann lässt sich Gottes Wort nicht anders hören als so, dass ich mich ganz von Gott in die Weltwirklichkeit hineingestellt sehe und mich in dieser Wirklichkeit als von Gott getragen und angenommen und versöhnt erkenne.

Bonhoeffer beschreibt das so: "Es geht also darum, an der Wirklichkeit Gottes und der Welt in Jesus Christus heute teilzuhaben, und das so, dass ich die Wirklichkeit Gottes nie ohne die Wirklichkeit der Welt und die Wirklichkeit der Welt nie ohne die Wirklichkeit Gottes erfahre" (D. Bonhoeffer, Ethik, 9. Aufl., 1981, 208).

Wer sich heraushält aus der Welt, so wie sie ist, wer menschliche Lebensbereiche anderen Gesetzen unterstellt als dem Willen Gottes, wer fliehen möchte in die angeblich ganz andere Welt Gottes, gerade der verfehlt Gott. Und wer sich hineinbegibt in diese Welt, wer sich ihr aussetzt, ihr begegnen und standhaltend und segnend helfen will, der findet ihn, der hört ihn. Denn nur so gewinnen die biblischen Aussagen von der Parteilichkeit Gottes, von seiner Nähe, die den Schwachen, den Hilflosen oder Armen gilt, ihre Bedeutung, entfalten ihre Kraft.

Nur so kann ich nachvollziehen, was Matthäus meint, wenn er behauptet, dass Gott im Fremden, im Gefangenen, im Kranken begegnet und in ihrer Stimme zu hören ist (Mt 25, 31-46). Und dazu muss ich ihnen begegnen, ihnen nahe kommen. Sie sind unabdingbar für meinen Glauben, ohne sie werde ich nicht lernen, was es bedeutet, Christ in dieser Welt zu sein, sich in dieser Welt Gott anzuvertrauen. Und dann mag sich mir Gottes Wort in dieser Welt ereignen, und ich höre, wie ein Jünger hört. Und es bedeutet dann:

Dem Leid Grenzen zu setzen,

mit den Müden, den Verzagten zu rechter Zeit zu reden,

dem Unrecht nicht zu weichen,

durch das Leid nicht zuschanden zu werden,

dem größten Gebot zu gehorchen, dass Juden und auch Christen gegeben ist: dem Gebot der Gottes- und der Nächstenliebe,

für Gott und die Menschen mehr zu wagen, auch auf das Risiko von Spott und Gewalt hin,

und eine Niederlage nicht als endgültiges Scheitern zu betrachten.

Denn, so schreibt Bonhoeffer: "Die Antwort des Gerechten auf die Leiden, die ihm die Welt zufügt, heißt: segnen. Das war die Antwort Gottes auf die Welt, die Christus ans Kreuz schlug. Gott vergilt nicht gleiches mit Gleichem, und so soll es auch der Gerechte nicht tun. Nicht verurteilen, nicht schelten, sondern segnen. Die Welt hätte keine Hoffnung, wenn dies nicht wäre. Vom Segen Gottes und der Gerechten lebt die Welt und hat sie eine Zukunft. Segnen, das heißt, die Hand auf etwas legen und sagen: Du gehörst trotz allem zu Gott. So tun wir es mit der Welt. Wir verlassen sie nicht, wir verwerfen, verachten, verdammen sie nicht, sondern wir rufen sie zu Gott"

(O. Dudzus (Hg.), Bonhoeffer Brevier, ?).

Jesaja ruft: "Er ist nahe, der mich gerecht spricht; wer will mit mir rechten? Lasst uns zusammen vortreten!"

Einsatz ist gefragt, gefragt ist, wo ich hervortreten will und muss, weil Gottes Nähe mich dazu drängt. Es kann ja keiner von uns meinen, Gottes Leiden mit dieser Welt und an dieser Welt habe schon ein Ende; es kann ja keiner von uns glauben, wir selbst hätten schon das Ziel erreicht, das Gott mit uns hat, und wir selbst hätten schon den Glauben, der keiner Veränderung mehr bedarf. Und nur durch die Tat, nur durch die herausfordernde und der Macht des Faktischen nicht Recht gebende Tat, nur durch das Tun des Menschlichen, lerne ich mehr Vertrauen, mehr Glauben.

Einen Tag nach dem Scheitern des Attentats auf Hitler am 20. Juli 1944 schreibt Bonhoeffer: "Später erfuhr ich und erfahre es bis zur Stunde, daß man erst in der vollen Diesseitigkeit des Lebens glauben lernt. Wenn man völlig darauf verzichtet hat, aus sich selbst etwas zu machen – sei es einen Heiligen oder einen bekehrten Sünder oder einen Kirchenmann (eine sogenannte priesterliche Gestalt!), einen gerechten oder Ungerechten, einen Kranken oder einen Gesunden – und dies nenne ich Diesseitigkeit, nämlich in der Fülle der Aufgaben, Fragen, Erfolge und Misserfolge, Erfahrungen und Ratlosigkeiten leben, - dann wirft man sich Gott ganz in die Arme, dann nimmt man nicht mehr die eigenen Leiden, sondern das Leiden Gottes in der Welt ernst, dann wacht man mit Christus in Gethsemane, und ich denke, das ist Glaube, …, und so wird man ein Mensch, ein Christ. … Gott führe uns freundlich durch diese Zeiten, aber vor allem führe er uns zu sich" (Widerstand und Ergebung, 11. Aufl. 1980, 183 f.).

Dahin will Gott uns wohl führen, und so sollen wir ihn wohl hören, dass wir Menschen werden, wie Gott sie gemeint hat. Und so möchte ich mit Bonhoeffer glauben lernen.

Gott der HERR wecke uns alle Morgen das Ohr, dass wir hören, wie Jünger hören. Amen.

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